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[review] Amazon Kindle eBook-Reader

Letzten Donnerstag ist er bei mir angekommen: Das heißerwartete eBook-Lesegerät von Amazon, der Kindle.

Amazon verkauft ihn bekannlicherweise seit Mitte Oktober 2009 jetzt auch nach Deutschland, man muss ihn allerdings für ca. 300 EUR (inkl. Zoll etc.) bei Amazon.com in den USA bestellen.

Schon beim Auspacken fällt auf, dass das Display immer eingeschaltet ist. Nein, eigentlich denkt man zunächst, dass da eine Folie aufgeklebt ist, so kontrastreich und klar ist die Schrift!
Die verwendete Displaytechnologie, das „e-ink„, benötigt zur Darstellung nämlich keinen Strom, lediglich bei „Umblättern“ wird etwas Saft benötigt. Der Kindle zeigt also immer etwas an, auch wenn der Akku leer ist.

Das Display ist ca. 15,3 cm (Diagonale) groß, entspiegelt und absolut ruhig und flimmerfrei. Das augenschonenste, was ich bislang gesehen habe. Das Umblättern einer Seite dauert etwa eine dreiviertel Sekunde, und geht damit schneller als bei der Konkurrenz (beim Sony PRS-505 dauert es teilweise gefühlte unerträgliche 2 Sekunden, den habe ich mir letztes Wochenende bei Thalia/Bouvier in Bonn angeschaut). Je heller das Umgebungslicht ist, umso besser ist der Kindle zu lesen, selbst im gleissenden Sonnenlicht. Nur im Dunkeln benötigt man eine Leselampe o.ä., da er (leider) keine eigene Beleuchtung hat. Fast so wie beim „echten“ Buch…

Der Kindle hat einen eingebauten und kostenfreien Zugang zum Amazon-Kindle-Store über GPRS/EDGE/UMTS, zur Zeit sind jedoch hauptsächlich englischsprachige Bücher (fast alle Bücher kann man probelesen) erhältlich. Wenn man eines der ca. 300.000 Bücher kauft, ist es in der Regel innerhalb von 60 sek. auf dem Gerät verfügbar (!).  Auch der Zugang zur Wikipedia ist kostenfrei über UMTS möglich. Außerdem kann man Zeitungs-Abonnements abschließen (die meisten auch 14 Tage kostenlos), dann erhält man seine Zeitungen „over the air“ auf den Kindle geliefert. So habe ich z.B. die FAZ schon am Abend vorher so gegen 23.00 Uhr auf dem Gerät… auch der Kauf von Einzelausgaben ist möglich. Das der deutsche Kunde bei der FAZ das doppelte (!) wie der amerikanische zahlen muss, finde ich ziemlich kurzsichtige Abzocke! Da zeigt sich mal wieder, dass die deutschen Verlage den Distrubutionsweg Internet noch nicht verstanden haben (ähnlich wie die Musikindustrie, die das Internetzeitalter ebenfalls verschlafen hat). Auch die deutschen Buchverlage halten sich bislang zurück, schade. Scheinbar wird Amazon und eBooks im Besonderen als Bedrohung und nicht als Chance gesehen.

Die FAZ auf dem Kindle hat mir übrigens nicht besonders gut gefallen: Längst nicht alle Artikel der Printausgabe und überhaupt keine Fotos. So funktioniert das nicht!

Etwa 1.500 Bücher sollen auf den Kindle gespeichert werden können, speichererweiterbar ist er aber nicht. Gekaufte Bücher können bei Amazon jederzeit wieder runtergeladen werden, wenn man sie einmal auf dem Kindle gelöscht hat oder man ein neues Gerät sein Eigen nennt.

Aber auch wenn die deutschen Verlage einem (zur Zeit) keine Bücher über den Kindle verkaufen möchte, bekommt man sie aus anderen Quellen auch selbst auf das Gerät, vorausgesetzt sie haben kein DRM (Kopierschutz): Entweder über USB (z.B. im .txt-Format) oder über Konvertierung von beispielsweise PDF-Dokumenten (oder auch .doc) ins Kindle-Format, die Amazon vornimmt (einfach an vorname.nachname@free.kindle.com mailen). Wenn man will, kann man sie auch kostenpflichtig direkt auf das Gerät mailen (1$ je MB, jeder Kindle hat eine eigene Email-Adresse!). Hier würde ich empfehlen, unbedingt die Seitenzahlen zu entfernen, da der Kindle aufgrund der verschiedenen Schiftgrößen ja keine klassischen Seitenzahlen mehr kennt und diese dann sinnlos im Text rumstehen. Außerdem möglichst alle unnötigen Absatzmarken etc. entfernen. Der Kindle soll ja den Text umbrechen. Das beliebte epub Format kennt der Kindle leider nicht, aber auch das kann man ja selbst z.B. in .txt konvertieren.

Um es nochmal zu wiederholen (weil man es in allen möglichen Medien anders liest): Es ist kein Problem, Word- oder PDF-Dokumente kostenlos auf den Kindle zu bekommen, man mailt das Dokument an die eigene ….@free.kindle.com-Adresse und bekommt eine Kindle (.azw)-Datei zurückgemailt, die man auf per USB auf den Kindle kopieren kann – lediglich der Transfer über das Mobilfunknetz würde 1$ je MB kosten…

Ich selbst habe mir so schon diverse PDF-Manuals auf den Kindle kopiert (z.B. von Logic Express) und diese sind auch vom Layout her gut zu lesen. Die Bildschirmfotos sind gerade noch so groß, dass man erkennen kann, worauf es ankommt, insbesondere, wenn man das Programm dann auch auf dem Mac geöffnet hat. Das hin- und herschalten zwischen PDF-Manual und Anwendung gehört dann der Vergangenheit an!

Die Tasten zum Umblättern befinden sich gut erreichbar am linken und rechten Geräterand, sie klicken allerdings leicht, was bei absoluter Stille etwas nervt (vor allem den Partner!). Zusätzlich zu den „Umblättern-Tasten“hat der Kindle noch eine Tastatur mit winzigen Mäusetasten, die man zum Kommentieren oder zum Eingeben von Buchtiteln verwenden kann. Die Benutzeroberfläche ist zur Zeit noch in Englisch und lässt sich nach kurzer Eingewöhnung aber ganz gut bedienen. Ungewöhnlich (aber für den Displaytyp normal) ist die Tatsache, das man nicht scrollen, sondern nur blättern kann.  Zum Bewegen des Cursors muss man dann auf eine Vierwege-Cursortaste zurückgreifen. Überhaupt ist das die größte Schwäche des Kindle: Die Bedienung der Cursortasten, vor allem beim Ansteuern von Verknüpfungen, wirkt doch arg altertümlich und träge – gerade die Trägheit liegt sicher hauptsächlich am e-Ink-Display.

Die Batterielaufzeit macht einen guten Eindruck. Ohne es genau nachgemessen zu haben, kann man mit einer Akkuladung sicher über 1000 Seiten umblättern, was für ein paar Tage Lesespass reichen sollte. Bei mir hatt die erste Akkuladung jedenfalls trotz intensiver Nutzung und Download von Büchern 4 Tage gehalten. Stellt man den Funk komplett ab (man braucht ihn ja nur, wenn man neuen Lesestoff laden will) hält das Ganze noch länger.

Alles in Allem bin ich recht begeistert vom Kindle. Wer gerne liest, und sich zu den Gadgetfans zählt, für den ist das Gerät fast ein Muss. Nie zuvor war lesen so entspannt und augenschonend möglich. Kein Vergleich zum Lesen von eBooks mit z.B. dem iPhone… Die deutschen Inhalte muss man sich zur Zeit aber woanders (!) besorgen und sie selbst auf das Gerät bringen. Aber das ist, wie gesagt, kein Problem. Vielleicht entscheiden sich die deutschen Verlage ja dann doch irgendwann einmal dafür, mir elektronische Bücher verkaufen zu wollen…

In nächster Zeit kommen ja noch andere Lesegeräte auf den Markt, teilweise auch mit Online-Store (z.B. der Nook von Barnes&Noble). Ich denke jedoch, dass man bei Amazon ganz gut aufgehoben ist, auch wenn der Nook von der technischen Seite einen noch besseren Eindruck macht…

Nachtrag: Mit dem kostenlosen Mobipocket Ebook Creator (hier downloadbar) kann man auch selbst PDF-Dokumente in das Mobipocket-Format (.prc) konvertieren, um sie dann über USB auf den Kindle zu schieben. Diese sind inkl. Cover-Grafik, Inhaltsverzeichnis etc. einwandfrei lesbar! In meinen heute durchgeführten Tests sah das auch besser aus als mit dem Amazon-Dienst. Leider ist diese Software zur Zeit „nur“ für Windows verfügbar….

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